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Wut im Bauch, Angst in der Brust, Trauer im Hals – unsere Gefühle haben ihre ganz eigenen Orte im Körper. Diese persönliche Reise durch die Landkarte der Emotionen zeigt, wie Körperpsychotherapie Gefühle wieder ins Fließen bringen kann.

Zwischen Kopf und Bauch - Wie Gefühle den Körper bewegen

Writen by Clara Mayenberger
Veröffentlicht am 1. März 2025

“Mir liegt etwas schwer auf dem Herzen”, sagst du. “Das ist ein Schlag in den Magen”, denkst du. “Mir steht die Angst bis zum Hals”, fühlst du.

Diese Redewendungen sind kein Zufall. Sie beschreiben eine Wahrheit, die wir alle kennen, aber oft ignorieren: Gefühle sind nicht nur im Kopf – sie leben in unserem ganzen Körper.

Eine persönliche Landkarte der Emotionen

Schließe für einen Moment die Augen und denke an das letzte Mal, als du richtig wütend warst. Wo spürst du diese Wut in deinem Körper? In den geballten Fäusten? Im heißen Gesicht? Im zusammengezogenen Bauch?

Jetzt denke an einen Moment tiefer Trauer. Verändert sich etwas? Wird die Brust eng? Fühlt sich der Hals verschlossen an? Werden die Schultern schwer?

Das ist deine ganz persönliche emotionale Landkarte – und sie ist einzigartig.

Wenn Gefühle im Körper festsitzen

Thomas kam zu mir, weil er sich “wie betäubt” fühlte. Nach einer schmerzhaften Trennung funktionierte er zwar im Alltag, aber es war, als wäre ein wichtiger Teil von ihm erloschen. “Ich spüre nichts mehr”, sagte er. “Weder Trauer noch Freude, nichts.”
Als wir gemeinsam erkundeten, was in seinem Körper geschah, entdeckten wir etwas Interessantes: Seine ganze Brustregion war wie eingefroren.

Hart, unbeweglich, ohne Lebendigkeit. Sein Körper hatte eine Strategie entwickelt, um ihn vor dem überwältigenden Schmerz der Trennung zu schützen – er hatte einfach das Fühlen eingestellt.

Die Weisheit des Körper-Geist-Systems

Unser Körper und unser emotionales System arbeiten als Team. Wenn ein Gefühl zu überwältigend wird, kann der Körper es “einfrieren”, um uns zu schützen. Wenn wir uns unsicher fühlen, spannt er sich an, um uns kampf- oder fluchtbereit zu machen. Wenn wir uns entspannen, lösen sich auch unsere Emotionen.

Das Problem entsteht, wenn diese Schutzreaktionen zur Gewohnheit werden. Aus dem temporären “Einfrieren” wird eine dauerhafte Taubheit. Aus der kurzen Anspannung wird chronischer Stress.

Die emotionale Landkarte entdecken

In meiner Arbeit lade ich Menschen dazu ein, Forscher ihrer eigenen Gefühlswelt zu werden:

Wo wohnt deine Freude?

  • Vielleicht in der Leichtigkeit der Brust?
  • Im weichen Bauch?
  • In den entspannten Schultern?

Wo versteckt sich deine Angst?

  • Im flatternden Herzen?
  • Im zusammengezogenen Magen?
  • In den angespannten Beinen, bereit zur Flucht?

Wo meldet sich deine Wut?

  • In den geballten Händen?
  • Im heißen Kopf?
  • Im energiegeladenen Brustkorb?

Wo zeigt sich deine Trauer?

  • In der schweren Brust?
  • Im verschlossenen Hals?
  • In den nach innen gesunkenen Schultern?
Gefühle wieder ins Fließen bringen

Zurück zu Thomas: Als er begann, bewusst seine Brustregion wahrzunehmen, passierte etwas Unerwartetes. Zunächst kam Wut – Wut über die Trennung, die er nie gefühlt hatte. Dann kam die Trauer, die er so gefürchtet hatte.

Und schließlich, nach einigen Wochen, kam auch die Erleichterung und sogar wieder erste Momente von Lebendigkeit.
Sein Körper hatte die Gefühle nicht weggemacht – er hatte sie aufbewahrt, bis Thomas bereit war, sie zu fühlen.

Praktische Übung: Deine Emotionen erkunden

Setze dich bequem hin und denke an verschiedene Emotionen:

  1. Wähle ein Gefühl (Freude, Trauer, Wut, Angst, Liebe…)
  2. Spüre in deinen Körper hinein:
    1. Wo nimmst du Veränderungen wahr?
    2. Wird es irgendwo warm oder kalt?
    3. Spannt sich etwas an oder entspannt?
    4. Verändert sich dein Atem?
  3. Sei einfach neugierig ohne zu bewerten.
  4. Atme zu dieser Stelle und erkunde sie mit freundlicher Aufmerksamkeit.

Das ist keine Therapie, aber ein erster Schritt, deine eigene emotionale Landkarte zu erkunden.

Wenn Gefühle wieder fließen

Etwas Faszinierendes passiert, wenn Menschen lernen, ihre Gefühle wieder im Körper zu spüren: Sie werden lebendiger. Nicht nur die “angenehmen” Gefühle werden intensiver, sondern auch die Lebensfreude, die Kreativität, die Verbindung zu sich selbst und anderen.

Es ist, als würde man von Schwarzweiß in Farbe wechseln.

Anna, eine andere Klientin, sagte nach einigen Monaten zu mir: “Ich hatte vergessen, wie bunt das Leben sein kann. Ich dachte, meine Gefühle sind gefährlich. Jetzt weiß ich: Sie sind meine Lebendigkeit.”

Die Intelligenz der Emotionen

Gefühle sind nicht chaotisch oder irrational – sie sind intelligente Informationssysteme:

  • Freude zeigt dir, was dir guttut
  • Trauer hilft dir loszulassen und zu würdigen
  • Wut setzt Grenzen und motiviert zu Veränderung
  • Angst warnt vor Gefahren und schützt dich
  • Liebe verbindet dich mit dem, was wichtig ist

Wenn du lernst, diese Gefühle in deinem Körper zu spüren, bekommst du Zugang zu einer unglaublichen Quelle von Weisheit und Lebendigkeit.

Integration im Alltag

Du musst nicht gleich eine Therapie beginnen, um diese Verbindung zu erkunden. Kleine Schritte reichen:

  • Frage dich mehrmals am Tag:  “Was spüre ich gerade in meinem Körper?”
  • Lege bei starken Gefühlen die Hand auf die betroffene Körperstelle
  • Atme bewusst dorthin, wo du etwas spürst
  • Sei neugierig statt bewertend
Fazit

Dein Körper ist nicht nur der Behälter für deine Gefühle – er ist ihr Zuhause, ihr Ausdrucksort, ihr Transformationsraum. Wenn du lernst, die Sprache der Gefühle in deinem Körper zu verstehen, öffnest du dich für ein reicheres, authentischeres Leben.

Was würde sich verändern, wenn du deinen Gefühlen wieder vertraust – nicht nur in deinem Kopf, sondern in deinem ganzen Sein?

Möchtest du tiefer in die Verbindung von Gefühl und Körper eintauchen? In der Körperpsychotherapie erkunden wir gemeinsam deine persönliche emotionale Landkarte?

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