“Mir liegt etwas schwer auf dem Herzen”, sagst du. “Das ist ein Schlag in den Magen”, denkst du. “Mir steht die Angst bis zum Hals”, fühlst du.
Diese Redewendungen sind kein Zufall. Sie beschreiben eine Wahrheit, die wir alle kennen, aber oft ignorieren: Gefühle sind nicht nur im Kopf – sie leben in unserem ganzen Körper.
Schließe für einen Moment die Augen und denke an das letzte Mal, als du richtig wütend warst. Wo spürst du diese Wut in deinem Körper? In den geballten Fäusten? Im heißen Gesicht? Im zusammengezogenen Bauch?
Jetzt denke an einen Moment tiefer Trauer. Verändert sich etwas? Wird die Brust eng? Fühlt sich der Hals verschlossen an? Werden die Schultern schwer?
Das ist deine ganz persönliche emotionale Landkarte – und sie ist einzigartig.
Thomas kam zu mir, weil er sich “wie betäubt” fühlte. Nach einer schmerzhaften Trennung funktionierte er zwar im Alltag, aber es war, als wäre ein wichtiger Teil von ihm erloschen. “Ich spüre nichts mehr”, sagte er. “Weder Trauer noch Freude, nichts.”
Als wir gemeinsam erkundeten, was in seinem Körper geschah, entdeckten wir etwas Interessantes: Seine ganze Brustregion war wie eingefroren.
Hart, unbeweglich, ohne Lebendigkeit. Sein Körper hatte eine Strategie entwickelt, um ihn vor dem überwältigenden Schmerz der Trennung zu schützen – er hatte einfach das Fühlen eingestellt.
Unser Körper und unser emotionales System arbeiten als Team. Wenn ein Gefühl zu überwältigend wird, kann der Körper es “einfrieren”, um uns zu schützen. Wenn wir uns unsicher fühlen, spannt er sich an, um uns kampf- oder fluchtbereit zu machen. Wenn wir uns entspannen, lösen sich auch unsere Emotionen.
Das Problem entsteht, wenn diese Schutzreaktionen zur Gewohnheit werden. Aus dem temporären “Einfrieren” wird eine dauerhafte Taubheit. Aus der kurzen Anspannung wird chronischer Stress.
In meiner Arbeit lade ich Menschen dazu ein, Forscher ihrer eigenen Gefühlswelt zu werden:
Wo wohnt deine Freude?
Wo versteckt sich deine Angst?
Wo meldet sich deine Wut?
Wo zeigt sich deine Trauer?
Zurück zu Thomas: Als er begann, bewusst seine Brustregion wahrzunehmen, passierte etwas Unerwartetes. Zunächst kam Wut – Wut über die Trennung, die er nie gefühlt hatte. Dann kam die Trauer, die er so gefürchtet hatte.
Und schließlich, nach einigen Wochen, kam auch die Erleichterung und sogar wieder erste Momente von Lebendigkeit.
Sein Körper hatte die Gefühle nicht weggemacht – er hatte sie aufbewahrt, bis Thomas bereit war, sie zu fühlen.
Setze dich bequem hin und denke an verschiedene Emotionen:
Das ist keine Therapie, aber ein erster Schritt, deine eigene emotionale Landkarte zu erkunden.
Etwas Faszinierendes passiert, wenn Menschen lernen, ihre Gefühle wieder im Körper zu spüren: Sie werden lebendiger. Nicht nur die “angenehmen” Gefühle werden intensiver, sondern auch die Lebensfreude, die Kreativität, die Verbindung zu sich selbst und anderen.
Es ist, als würde man von Schwarzweiß in Farbe wechseln.
Anna, eine andere Klientin, sagte nach einigen Monaten zu mir: “Ich hatte vergessen, wie bunt das Leben sein kann. Ich dachte, meine Gefühle sind gefährlich. Jetzt weiß ich: Sie sind meine Lebendigkeit.”
Gefühle sind nicht chaotisch oder irrational – sie sind intelligente Informationssysteme:
Wenn du lernst, diese Gefühle in deinem Körper zu spüren, bekommst du Zugang zu einer unglaublichen Quelle von Weisheit und Lebendigkeit.
Du musst nicht gleich eine Therapie beginnen, um diese Verbindung zu erkunden. Kleine Schritte reichen:
Dein Körper ist nicht nur der Behälter für deine Gefühle – er ist ihr Zuhause, ihr Ausdrucksort, ihr Transformationsraum. Wenn du lernst, die Sprache der Gefühle in deinem Körper zu verstehen, öffnest du dich für ein reicheres, authentischeres Leben.
Was würde sich verändern, wenn du deinen Gefühlen wieder vertraust – nicht nur in deinem Kopf, sondern in deinem ganzen Sein?
Möchtest du tiefer in die Verbindung von Gefühl und Körper eintauchen? In der Körperpsychotherapie erkunden wir gemeinsam deine persönliche emotionale Landkarte?